EU strebt zentralisierte Krypto-Aufsicht an, während die Durchsetzung der MiCA verschärft wird
Der Kryptosektor in Europa verlagert sich von der Regelsetzung zur Durchsetzung, und der Ton innerhalb der Union hat sich merklich verändert.
Nachdem MiCA nun vollständig in Kraft getreten ist, fragen sich die politischen Entscheidungsträger nicht mehr, wie Kryptowährungen reguliert werden sollen, sondern wie das System verschärft und Lücken geschlossen werden können.
Eine wichtige Idee, die in Brüssel an Bedeutung gewinnt, ist die Übertragung der Aufsicht über Kryptowährungen von den nationalen Regulierungsbehörden direkt an die ESMA. Die Beamten argumentieren, dass ein grenzüberschreitender Markt nicht effektiv von 27 verschiedenen Behörden überwacht werden kann, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit arbeiten. Eine einzige Aufsichtsbehörde auf EU-Ebene würde ihrer Meinung nach Unstimmigkeiten reduzieren und regulatorische Lücken verhindern, da Krypto-Aktivitäten in der gesamten Region immer stärker integriert werden.
Gleichzeitig haben Unternehmen ihre Bemühungen um vollständige Compliance beschleunigt. Allein in der vergangenen Woche erhielten Revolut, Blockchain.com und Relai MiCA-Zulassungen, die ihnen die Möglichkeit geben, im gesamten EWR tätig zu sein. Das rasante Tempo der Genehmigungen deutet darauf hin, dass MiCA nicht nur eine gesetzliche Anforderung, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil wird. Unternehmen mit Lizenzen können skalieren, während diejenigen ohne Lizenzen mit eingeschränkten Möglichkeiten konfrontiert sind.
ESMA-Leitlinien, Stablecoin-Prüfung und regionaler Druck
Auch ohne formelle Aufsichtsbefugnis übt die ESMA bereits mehr Einfluss aus. Ihre neuesten technischen Aktualisierungen – Teil des Investmentmanagement-Pakets vom November – sorgen für zusätzliche Klarheit hinsichtlich der Klassifizierung von Dienstleistungen, der operativen Erwartungen und der Offenlegungspflichten. Traditionelle Finanzunternehmen, die sich mit digitalen Vermögenswerten befassen, behandeln diese Klarstellungen als De-facto-Regeln.
Stablecoins bleiben ein weiterer Schwerpunkt. Nach den jüngsten Bedenken der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde überprüfen die politischen Entscheidungsträger die Reserve-Strukturen, Multi-Emittenten-Modelle und die Frage, wie Emittenten die Verpflichtungen aus Artikel 30 der MiCA erfüllen sollten. Da Stablecoins sowohl die Handels- als auch die Zahlungsinfrastruktur untermauern, betrachten die Regulierungsbehörden dies als einen der wichtigsten Bestandteile des Regelwerks.
Eine dringlichere Herausforderung stellt sich in Rumänien, wo die Übergangsregelung der MiCA am 30. November 2025 ausläuft. Nach diesem Datum müssen alle Krypto-Anbieter über eine vollständige Zulassung verfügen oder den Markt verlassen. Kleinere Unternehmen und OTC-Betreiber könnten mit dem Näherrücken der Frist unter erheblichen Druck geraten.
Eine Ära strengerer Regulierung beginnt
Die Entwicklungen der letzten Wochen weisen in eine einheitliche Richtung: MiCA ist nicht mehr etwas, auf dessen Umsetzung der Markt wartet – es verändert die Branche aktiv. Die Aufsicht wird zunehmend zentralisiert, die Lizenzierung beschleunigt sich und die regulatorischen Erwartungen in der gesamten EU steigen rapide.
Für Krypto-Unternehmen ist die Botschaft klar: Die Schonfrist endet und Europa tritt in eine Phase ein, in der Compliance kein Meilenstein, sondern eine ständige Anforderung ist.

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