EU lässt Kartellbeschluss wie eine Bombe auf Deutsche Börse und Nasdaq fallen
Die Europäische Kommission hat eine förmliche kartellrechtliche Untersuchung gegen die Deutsche Börse AG und Nasdaq Inc. eingeleitet, um zu prüfen, ob die beiden Finanzriesen wettbewerbswidrige Vereinbarungen getroffen haben, die die Notierung, den Handel oder die Abrechnung von Derivaten auf den europäischen Märkten verzerrt haben.
Die Nachricht über die Untersuchung verunsicherte die Anleger sofort – die Aktien der Deutschen Börse brachen um mehr als 7 % ein und verzeichneten damit den stärksten Rückgang seit fast zwei Jahren, während auch die Nasdaq im vorbörslichen Handel in den USA leicht nachgab. Der Ausverkauf unterstrich die wachsende Besorgnis über die zunehmende Regulierung großer Finanzinstitute in Europa.
Ein 25 Jahre alter Pakt unter Beschuss
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 1999 zwischen Eurex, der Derivate-Sparte der Deutschen Börse, und HEX, einer finnischen Börse, die später Teil der Nasdaq wurde. Die Aufsichtsbehörden vermuten, dass die langjährige Vereinbarung eine Marktkoordination oder Aufteilung der Handelsaktivitäten ermöglicht und damit möglicherweise gegen EU-Wettbewerbsrecht verstößt.
Beide Unternehmen bestreiten jegliches Fehlverhalten. Die Nasdaq erklärte, die Vereinbarung sei „transparent und wurde damals von Brüssel genehmigt”, während die Deutsche Börse sie als Maßnahme zur Verbesserung der Liquidität und Effizienz auf den nordischen Märkten bezeichnete. Beide Unternehmen sagten den EU-Ermittlern ihre uneingeschränkte Zusammenarbeit zu.
Brüssel erhöht den Druck
Die Untersuchung folgt auf unangekündigte Razzien in den europäischen Niederlassungen beider Börsen im vergangenen Jahr – ein klares Signal dafür, dass die Regulierungsbehörden den Fall seit Monaten vorbereitet haben. Sie erfolgt auch kurz nach dem gescheiterten Versuch der Deutschen Börse, das nordische Stromhandelsgeschäft der Nasdaq zu übernehmen, der aus kartellrechtlichen Bedenken blockiert wurde.
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Wenn die Kommission Verstöße bestätigt, könnten die Geldstrafen bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes betragen, was für jedes Unternehmen potenzielle Strafen in Milliardenhöhe bedeuten würde. Dieser Schritt unterstreicht die härtere Haltung Brüssels bei der Verhinderung von Marktmanipulationen und wettbewerbswidrigen Kooperationen.
Wachstum trotz genauer Prüfung
Trotz der drohenden Untersuchung expandiert die Deutsche Börse weiter und bestätigt, dass die Europäische Zentralbank im nächsten Jahr ihrem Eurex-Repo-Clearing-System beitreten wird. Dieser Schritt wird den Einfluss der Börse auf die Infrastruktur des europäischen Rentenmarktes weiter vertiefen – auch wenn die Regulierungsbehörden ihren Einfluss verstärken.
Der Fall verdeutlicht das Paradoxon, mit dem die europäischen Finanzriesen konfrontiert sind: rasantes Wachstum und Innovation auf der einen Seite und zunehmende regulatorische Eingriffe auf der anderen Seite. Die EU verschärft ihre Aufsicht und sendet damit eine klare Botschaft: Fortschritt ist willkommen, aber er muss sich an die Regeln halten.

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